Konfliktkosten

 

Bereits im Jahre 1992 erklärte mir der Personalchef einer Österreichischen Firma mit Weltgeltung den Unterschied zwischen der einvernehmlichen Kündigung eines geschätzten Mitarbeiters zu guten Bedingungen, z.B. mit Jahresgehalt oder Sozialplan und dem Rauswurf. Er sagte mir, es komme ihm darauf an, dass sein Mitarbeiter die Firma erhobenen Hauptes verlässt und nicht  wie ein geprügelter Hund.

Personalführung ist in der Tat eine sehr anspruchsvolle Kompetenz von Arbeitgebern gegenüber Arbeitern und Angestellten, aber auch von Auftraggebern gegenüber ihren Auftragnehmern.

Es geht genau um das Bewusstsein des hohen Wertes des Menschen und seiner Arbeitskraft. Dabei ist unter Arbeitskraft heute kaum noch physische Kraft zu verstehen, sondern die Fähigkeit zum Management, zu selbstverantwortlichem Arbeiten und zur effektiven Kommunikation.

Es geht um die Frage der optimalen Nutzung der Human Resources. „Wie kann ich mein Team günstig beeinflussen, sodass die eingesetzten Geldmittel zum besten Erfolg führen?“

Optimal ist gewiss eine Kommunikationsstruktur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens, gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitiger Unterstützung. Diese Voraussetzungen ermöglichen erst die Realisierung der Expertise jedes Einzelnen, fruchtbare Gespräche bis hin zum Brainstorming, ob es sich um wissenschaftliche Fragen, um Falldiskussionen oder um organisatorische Fragen handelt. Auch Fehlervermeidung geschieht am besten in einer offenen Atmosphäre, während jedwede Form von Einschüchterung von Verantwortungsträgern nur zur Vertuschung von Fehlern führt und daher sehr gefährlich ist.

Die Art und Weise, wie Ministerium, Sozialpartner und Hauptverband die aktuellen Konflikte zur Sanierung Krankenkassen mit den niedergelassenen Ärzten führen, scheint die Grundregeln effektiver Personalführung außer acht zu lassen: Ein Overkill an Misstrauen, Kontrolle, Einschüchterung , Bedrohung und Herabsetzung bis hin zur üblen Nachrede gefährdet das persönliche Gleichgewicht jedes einzelnen Vertragsarztes und Wahlarztes in Österreich durch Überforderung der Anpassungskapazität an neue Arbeitsbedingungen. Es droht nun auch uns Ärzten die Zunahme der Fälle von Burnout mit schweren Depressionen, die lange Krankenstände, womöglich auch dauernde Invalidität verursachen können.

Intramural grassiert zunehmend die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust: Immer wieder treten unhaltbare chronische Konfliktsituationen ans Licht der Öffentlichkeit, die zunehmende Zahl der Fälle von Mobbing sind die Folge. Massive Konzentrationsstörungen, Gesundheitsstörungen, Depressionen, Angstzustände belasten zunehmend viele Ärzte und ihre Angehörigen; Defensivmedizin und lange Krankenstände belasten das Budget. Und wer keinen klaren Kopf hat, macht natürlich mehr Fehler.    Herr Univ. Prof. Dr. Heinz Leymann bezifferte im Übrigen die Kosten von Mobbing mit 60000 € pro Fall im Durchschnitt. Nicht gerechnet all das persönliche Leid und  die persönlichen Tragödien in jedem einzelnen Fall. Diese Konfliktkosten sind eindeutig zu hoch.

Von Auftraggebern, die tagtäglich öffentliche Gelder für die Gesundheitsversorgung ausgeben, sollte wirklich auch Personalführung auf einem hohen fachlichen Niveau zu erwarten sein.                                                                       

Dr. Hans-Joachim Fuchs