
Eine neue (alte) Regierung – eine neue Chance?
Die Karten sind neu gemischt; obwohl es mehr oder weniger diesselben sind. Bezüglich des niedergelassenen Bereiches scheint der neue BM f. Gesundheit weniger ärztefeindlich eingestellt zu sein als seine Vorgängerin. Allerdings ist das nicht schwer, hat doch die scheidende Frau BM Kdolsky noch in den letzten Stunden ihrer Amtszeit eine Ärztegesetzesnovelle zur Begutachtung eingebracht, die den Ärztestand entmachtet wenn nicht sogar verspottet. Zu unserem Glück wanderte diese „Novelle“ rasch in den Papierkorb.
Im Bereich der Wissenschaft und Forschung kam es zu keinen personellen Veränderungen; die neue, hierarchisch geführte Universität wird vorerst nicht reformiert: Ein Mitspracherecht des Mittelbaus existiert de facto nicht; selbst der Rektor wird nicht von allen Universitätsangehörigen gewählt. Jeder politisch interessierte Kollege weiß, dass ohne Basis weder eine Partei noch sonst ein Unternehmen langfristig bestehen kann.
Die Wirtschaftskrise beweist nur zu gut, wie Ärzte und Patienten getäuscht werden: Milliarden werden über Nacht für die Banken (und damit die eigenen Konten) bereitgestellt; das Gesundheitssystem als Kostenverursacher mit hohem Einsparungspotential abgestempelt. Wieder wird das Forschungsbudget kleiner und damit die technologische Weiterentwicklung gebremst. Diese Kurzsichtigkeit - um Bilanzen zu schönen - wird hoffentlich bald auf kein Verständnis seitens der Bevölkerung stossen.
Die Solidarisierung aller Ärzte und unser Widerstand gegen eine Ärzte- aber auch Patientenfeindliche Politik war mit ein Anstoß zu Neuwahlen (siehe Foto).
Unsere Forderungen seitens der angestellten Ärzte im AKH:
Erhöhung des Wissenschaftsbudgets
Etablierung (keine Alibisenate) des Mittelbaus
Mitspracherecht aller Universitätsangehörigen, vor allem in Personal- und Strukturfragen
Einbeziehung von gewählten Ärztvertretern bei gesundheitspolitischen Entscheidungen
Entsprechende Gehälter und Verdienstmöglichkeiten für alle angestellten Ärzte
Attraktive Berufslaufbahn für qualifizierte Wissenschaftler (kein Putzfrauengehalt)
Beteuerungen, wie gut und toll alles ist, haben ihre Glaubwürdigkeit verloren; das internationale Ranking der MedUniWien ist seit der Abspaltung von der Gesamtuniversität auf einer beängstigenden Talfahrt. Ohne auf den Mittelbau zu hören wird sich daran derzeit nicht viel ändern......
Univ.-Prof. Peter
Frigo, AKH - MedUniWien